Concert review
Bamberg, Jazzkeller, 5.11.2005
Milan Svoboda Quartet
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Hinwendung zu den Funken
von Oliver van Essenberg
Mit dem Milan Svoboda Quartett aus Prag kamen am Samstagabend kein ganz
Unbekannten in den Jazzkeller. Band-
leader und Pianist Milan Svoboda stand vor vier Jahren schon einmal auf
der Bühne und bürgte auch diesmal für hohe
Qualität. Mit Jazz aus Prag hat es, wie mit Jazz aus ehemaligen
Ostblockländern überhaupt, eine besondere Bewandtnis.
Jazz war in der breiten Öffentlichkeit eigentlich die einzige
Musik für Langhaarige und ist in der Abwandlung als Jazz-
Rock bis heute vital geblieben, während hierzulande, schon seit
einem guten Jahrzehnt, eher Post-Rock-Gruppierungen
angesagt sind. Spielarten des Jazz, wie er in den 50er bis 70er Jahren
prägend war, wurden also auch in Prag relativ
unbekümmert fortgesetzt. Anklänge daran waren beim Milan
Svoboda Quartett hörbar. Allerdings beschränkten sie
sich, anders als noch vor einigen Jahren, auf ganz wenige Passagen.
Geradlinig legten die Bandmitglieder los, zunächst
ohne beachtliche stilistische Raffinessen. Sowohl Milan Krajic am
Tenor- bzw. Sopransaxophon als auch Svoboda am
Piano spielten sich leidenschaftslos durch relativ glatte Arrangements.
Ein paar rhythmische Kapriolen hier, ein paar
verschleppte Akkorde dort. Zwischendurch kleine, zündende Ideen.
Krajic und E-Bassist Filip Spaleny improvisierten in langen
Soloausflügen – aber wozu? Ohne interessantes Thema,
ohne ausgeprägt melodische Elemente. Kein Wunder, dass der Funke,
auch beim Publikum, zunächst nicht übersprang.
Spätestens aber gegen Ende des ersten Sets drehte das Quartett auf
und Svoboda schüttelte nun immer öfter die
Trümpfe aus dem Ärmel. Und mit was für eine Verve konnte
der Bandleader spielen! Während er mit der linken
Hand gleichmäßig auf und ab kreiste und dabei die
harmonische Grundstruktur festhielt, flog die rechte Hand
zuckend über die Tasten und warf die quirligsten Klangkaskaden
hin, die im Jazzkeller seit langem – jemals? - zu
hören waren. In den nun immer häufiger werdenden Soli und
besonders in langen, ausgesprochen schönen Klavier-
Jazz-Suiten entfaltete Svoboda sein ganzes Talent als Tastenvirtuose,
und die Kollegen zogen nach. Am Ende konnten
alle, Publikum und Band, mehr als zufrieden sein.
Fränkischer Tag v. 7. 11. 2005