Reviews:
Konzert in Frauenau (5.7.2001) im Rahmen der "49. Passauer Europäischen Wochen" 2001:
(Passauer Neue Presse)
Das Milan
Svoboda Quartett spielte mit dem ungarischen Saxofonisten Tony Lakatas
in Frauenau im Rahmen der "49. Passauer Europäischen Wochen"
(5.7.2001)
Nun ist der
Prager Jazzpianist Milan Svoboda zusammen mit seinem 1979 gegründeten
Quartett allein schon eine Wucht. Wenn er aber zudem noch mit dem
aus Budapest stammenden Tenorsaxofonisten Tony Lakatos gemeinsam auf
der Bühne steht, avancieren diese Konzerte nicht selten zum Hörerlebnis
auf Weltklasse- Niveau. So bereicherte der Auftritt des Quintetts in
der Freiherr-von-Poschinger-Glashütte in Frauenau im Rahmen der
"49. Passauer Europäischen Wochen" die Palette des Festivals auf
erfrischend unkonventionelle und beeindruckende Weise gleichermaßen.
Die stilistische Vielseitigkeit
des Quintetts und damit auch die des Komponisten Svoboda wurde
bereits im Laufe der Interpretation der ersten vier Nummern deutlich.
Nach der Modern-Bop-Nummer "Mud" und einer Fusion-Komposition mit
dem Titel "Bluff", die durch eine rockig treibende Snare-Drum auf
der zweiten und vierten Zählzeit für Stimmung sorgte, stimmte
die Formation die romantisch-lyrische Ballade "Shadows" an, auf welche
wiederum eine Reggae-Bearbeitung des Standard-Dauerbrenners "Body
And Soul" folgte.
Die Themen und die Changes der
Kompositionen Svobodas sind einfallsreich, die zweistimmigen Bläsersätze
der Themen oft rhythmisch raffiniert gesetzt. An Kreativität
ließen es aber auch die Mitglieder der Formation in Bezug auf
ihre Improvisationen nicht vermissen, allen voran Tony Lakatos. "Raste"
er hier und da in Bebop-Passagen ein wenig nach John-Coltrane-Art,
so wusste er in Balladen durch den lyrischen Klang seines romantisch
gehauchten Tenorsaxofons zu fesseln.
Der Mann der
tiefen Töne, Martin Lehky, verstand den nach oben erweiterten
Tonumfang seines ungewöhnlichen sechssaitigen E-Basses zu nutzen
und das nicht nur in den Improvisationen. Denn der nach der Pause
interpretierte Bossa Nova "View From The Window" bot ihm die Möglichkeit,
gitarrenähnlich das Thema vorzustellen. Michal Gera bestach an
der Trompete und am Flügelhorn, das er vorwiegend in lyrischen
Passagen einsetzte, gleichermaßen.
Auch Ivan Audes überzeugte
nicht nur durch sein mitreißendes Schlagzeugsolo vor der
Pause, in dem er durch minimalste Verschiebungen rhythmischer Überlagerungen
immer wieder neue Komplemetärhythmen kreierte. Und schließlich
konnte man sich an der geschmeidig eingesetzten Virtuosität,
am großen Temperament und dem Gespür Milan Svobodas für
spontane Reaktionen auf die improvisatorischen Einfälle seiner
Kollegen erfreuen. Das zahlreich erschienene Publikum ließ die
Musiker nicht ohne Zugabe von der Bühne.
Stefan Rimek