
Saechsische Zeitung vom 04. Juni 2007
http://www.jazztage-goerlitz.de/presse_2007.html
Verrueckt und unerhoert
Die 12. Goerlitzer Jazztage bieten Musik-Vielfalt und tolle Stimmung.
von Karsten Bluethgen
Lange blies die Band dem nahenden Regen erfolgreich
entgegen. Dann, kurz vor Mitternacht, liess sich das Wetter nicht
laenger hinhalten. Vermutlich aber gingen auf dem Goerlitzer
Fischmarkt
weit weniger Schirme auf als vorhanden - die begeisterte Stimmung
unter den dicht gedraengten Besuchern liess keinen Raum fuer
Nebensaechliches.
Milan Svoboda und seine furiose Prag Big Band waren der Hoehepunkt des
Open Air am Sonnabend und eines der grossen Ereignisse der 12.
Goerlitzer
Jazztage. Auf solche Weise haelt man eine scheinbar entschlummernde
Aera
des Jazz wach. Svoboda, stets mit Schlapphut auf der Buehne, mag
filigran gesetzte Kompositionen, mit denen er seit drei Jahrzehnten
seine Musiker ausgiebig versorgt. Sie stehen in bester
Bigband-Tradition und lassen sich doch in kein Schema pressen.
Svoboda liebt besonders Stuecke, die kraftvoll, positiv, ein
"bis-schaen verrickt" klingen. Bisweilen jagt ein ungerader Takt den
naechsten. Holz- und Blechblaeser finden sich zu bizarr-schoenen
Harmonien. Die Rhythmusgruppe zaubert beinahe mystische Untergruende.
Faszinierend bei so viel organisiertem Klang, wie viel Raum sich
auftut fuer entspanntes Improvisieren.