Reviews:
Neustadt - Maxburg, Germany, November 10th, 2001
Musik voller Leben
Milan-Svoboda-Quartett zu Gast auf der Maxburg
Milan Svoboda aus Prag ist ein Arbeitstier: unzählige Projekte und
Tourneen, er steht pausenlos unter Strom. Vor Jahren kam er verspätet
nach Wachenheim, ging auf die Bühne spielte sein Konzert und
fuhr unmittelbar danach nach Prag zurück. Am Samstag hatte er
sein Quartett nach Neustadt in die Maxburg mitgebracht.
Das
Fazit vorneweg: Anspruchsvolle intelligente, ja spannende Musik,
eine geniale Mischung aus romantischer E-Musik, osteuropäischer
Folklore und Modern Jazz mit Zitaten der europäischen Kulturtradition.
Voller trickreicher Rhythmen und Metren, exakt und präzise. Der
Abend wurde überwiegend mit Originalkompositionen von Milan Svoboda
(Piano) bestritten und einem einzigen Arrangement, aus dem man erst allmählich
"Body and Soul" heraushören konnte, mit eigenem Groove und Witz.
Die Musik des Quartetts groovt durch und durch, trotz komplizierter
Metrik mit wechselnden Harmonien, rockig moderner Mainstream mit vertrackten
Rhythmen. Der Einfluss der osteuropäischen Folklore vermittelt
Lebensfreude, Martin Lehky spielt einen exzellenten Bass, wie Johannes
Schaedlich feststellt, der eigens angereist kam, um diese Formation zu
hören. Die Trompete von Michal Gera klingt wie eine komplette Bläsersektion,
mitunter erinnert die Musik an die Klassiker der Jazz-Rockszene wie das
United Jazz & Rock Ensemble mit einem Schuss Folklore. Bei traumhaften
lyrischen Balladen (Michal Gera am Flügelhorn) beherrscht Ivan Audes
die hohe Schule des leisen Schlagzeugspiels, begleitet das Bass-Solo nur
mit den beiden Schlagstöcken, oder kratzt sich bei einem Schlagzeugsolo
entspannt an der Nase, schafft es "on beat" parallel zu beschleunigen und
zu bremsen, einfach nur unglaublich. "Relativ wortkarg", findet ein Schweizer
Jazzfan den Protagonisten, er stellt nach der Pause "Magic", eine vor wenigen
Wochen frisch komponierte Suite vor. Ein komplexes Werk, stark an E-Musik
erinnernd, wir hören Smetana, Weill, Liszt und Blues, groovige komplizierte
Riffs mit verschobenem Schwerpunkt, unendlich kompliziert, präzise
wie ein Uhrwerk und voller Leben und mit viel Liebe zum Detail. Svoboda
brilliert zwischen Boogie Woogie und Moderne immer on beat, treibt seine
musikalischen Scherze mit dem fachkundigen Publikum und zitiert aus dem
unendlichen Schatz der Präludien und Fugen von Johann Sebastian Bach.
Erst nach drei Zugaben dürfen die Musiker von der Bühne. So macht
Musik einfach richtig Spaß. (ek)
RON - RHEINPFALZ ONLINE, Mittwoch, 14. Nov