Reviews:
Switzerland, Oltner Jazztage, 22.6.2002
Tschechische Musiker auf einem Jazz-Festival in der Schweiz
[25-06-2002] Autor: Schneller Alexander
Der tschechische Jazz ist in der Schweiz so gut wie unbekannt. Doch
mindestens in der kleinen Stadt Olten kann es nun anders sein. Über
das dortige Jazz-Festival berichtet aus der Schweiz unser freier Mitarbeiter
Alexander Schneller.
Am vergangenen Wochenende fanden in Olten, einer schweizerischen
Kleinstadt, zwischen Basel und Zürich gelegen, die 3. Jazztage
statt. Was hat das, werden Sie sich, liebe Hörerinnen und Hörer,
fragen, mit Radio Prag zu tun? Nun, das kleine, aber feine Festival in
der Schweizer Provinz hatte als thematischen Schwerpunkt Jazz aus der
Tschechischen Republik gesetzt. Dies deshalb, weil Jazz aus Tschechien
in der Schweiz so gut wie unbekannt ist. So konnte man am Samstag und
Sonntag Abend tschechischen und Prager Jazz vom Feinsten geniessen.
Den Samstag Abend eröffnete das Emil Viklicky Trio feat.
Steve Houben. Eine Formation übrigens, die man in den Prager
Klubs immer wieder antrifft. Der exzellente Pianist und Komponist Viklicky,
kongenial unterstützt vom Bassurgestein Frantisek Uhlir sowie der
Schlagzeuglegende Laco Tropp vermochten zusammen mit dem belgischen
Saxofonisten und Flötisten Steve Houben das Publikum zu überzeugen.
Feinfühlig vorgetragene Balladen ebenso wie rasante Interpretationen
von Standards oder Eigenkompositionen zeugten vom hohen Niveau der Musikanten.
Das zweite Konzert am Samstag bestritt die famose 18 köpfige
Kontraband des Pianisten, Komponisten und Arrangeurs Milan Svoboda,
den Radio Prag in seiner Sendereihe "All that Jazz of Praha!" kürzlich
vorgestellt hat. Die Superbigband, die sich stilistisch schwer einordnen
lässt, begeisterte das Publikum mit ihren kompakten Unisonoteilen
ebenso wie mit dem hohen Standard der vorgetragenen Soli. Jazz, Swing,
Brass Band Music und Rock verschmolzen zu einer einzigartigen, atmosphärisch
dichten Musik, wobei auch eine gehörige Portion unterschwelligen Humors
nicht fehlte.
Die eigentliche Sensation aber bildete der Abschluss der Jazztage
am späten Sonntag Abend. Es war den Veranstaltern gelungen, eine
ganz besondere, in dieser Besetzung auch in Prag kaum zu hörende
Formation zusammenzustellen. So trafen zwei so unterschiedliche Charaktere
wie der feinfühlige und virtuose Pianist Milan Svoboda und das quirlige,
vor Energie sprühende Improvisationswunder Jiri Stivin aufeinander.
Das Milan Svoboda Quartett mit dem wunderbaren Trompeter Michal Gera sowie
der kompakten Rhythmusgruppe Martin Lehky E-Bass und Ivan Audes Schlagzeug
und die zahlreichen Flöten sowie das Altsaxofon von Altmeister Stivin
rissen das zahlreiche Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin.
Und so kam es am Ende gar zu einer Standing Ovation und zwei wunderschönen
Zugaben.
Nach diesen wahrhaft gelungenen Vorstellungen tschechischer
Jazzer ist zu hoffen, dass zumindest in dieser Region der Schweiz Jazzmusik
aus Prag einen Namen hat. Einen hervorragenden, wie man aus den vielen
begeisterten Reaktionen der Zuhörer schliessen darf.