Reviews:
MILAN SVOBODA QUARTET - live concert (Germany tour - march 2001)
(SPEYERER TAGESPOST)
Dreifaltigkeitskirche, Speyer, Germany, Freitag,
9.3.2001
Wohlige
Jazz-Poesie aus Prager Gefilden
Milan-Svoboda-Quartett in der Dreifaltigkeitskirche: Stimmige Songs, exzellente
Musiker
Jazz aus Prag, das hat Tradition, ist durchaus ein
Markenzeichen. Wenn dann mal einer der bekanntesten Jazzer der tschechischen
Metropole ausgerechnet in Speyer spielt, hätte man sich schon
deutlich mehr Publikum gewünscht. Nicht nur, um dem Bekanntheitsgrad
Milan Svobodas adäquat Rechnung zu tragen. Vielmehr weil die
vier Musiker, die am Freitagabend in der Dreifaltigkeitskirche ihre
Auffassung von Jazz darboten, erstklassig waren.
Schon gleich beim Einstiegssong, „Torso“, lenkt Trompeter
Michal Gera die Aufmerksamkeit auf sich. Er spielt einen wunderbaren
klaren und dennoch weichen Ton, völlig unprätentiös
und doch hochkonzentriert. Ganz hervorragend kommt das im dritten
Lied, „Siesta“, rüber, bei dem Gera seinem Instrument den Dämpfer
aufsetzt. Beim Milan-Svoboda-Quartett sitzt alles, die Songs fließen,
als gäbe es für die vier Musiker keinen anderen Daseinszustand
als genau diesen konzertanten. Es wird sich angelächelt, zugenickt;
die jeweiligen Soli von den übrigen Musikern fast immer aufs Feinste
begleitend hervorgehoben.
Die neun Songs (Nummer zehn, „Fuddle“, ist die gern gewährte Zugabe), stammen allesamt aus der Feder Svobodas. Der Komponist und Arrangeur huldigt dem Standard-Jazz, ohne im Entferntesten zu langweilen. Er leistet sich dezente Verstiegenheiten wie in „Bat Dance“, dem temporeichsten Lied des Abends. Das Gros des Programms bestimmt ein melodiöser Jazz, der Bilder von Nachtcafés, langen Spaziergängen und Großstadtstraßen evoziert und im besten Sinne poetisch zu nennen ist..
Zu heftigster Form laufen Svoboda und Drummer Ivan Audes in „Private Life“ auf. Der Bandleader überrascht mit einem furiosen Intro, das reichlich Dramatisches aufweist und keinen Zweifel daran lässt, dass Svoboda nicht nur ein hervorragender Komponist, sondern ein ebensolcher Pianist ist. Audes haut, trommelt, dribbelt, prickelt aus seinem Instrument raus, was das Zeug hält.
Das Wunderbare am Jazz, an solch selbstvergessen anmutenden
Einlagen: Mit einem Sich-Zunicken sind sofort alle wieder beim Thema,
verschmelzen jedwede Solo-Exzesse wieder zur Leitmelodie. In derart
lässigem Miteinander ist das Quartett ein wahrer Meister. Genauso
wie im „Täuschen“ des Publikums - es geht ohne Zäsur von
Song zu Song und man muss sich richtig anstrengen, zum Klatschen zu kommen.
Hemmend wirkte da zweifelsohne aber auch die hehre Kirchenatmosphäre.
Andrea Pauli
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Rheinpfalz Speyer, 12.3. 01
Auch Miles Davis stand Pate
Milan Svoboda-Quartett mit feinem Jazz-Rock in Dreifaltigkeitskirche
"Speyer jazzt" - unter diesem Motto präsentierte der "K3-Verein zur Förderung von Kunst und Kultur" das aus Prag kommende Milan-Svoboda-Quartett am Freitagabend. Im ungewöhnlichen Ambiente der Speyerer Dreifaltigkeitskirche zelebrierten die vier Jazzer von der Moldau vor Altar und riesiger Kirchenorgel zeitgenössischen Jazz.
Milan Svoboda, Pianist und Leiter der Prager Formation,
begann mit ruhigen, cembaloähnlichen Sounds aus dem elektronischen
Keyboard, ostinate Akkordstrukturen trugen das Trompetenspiel Michal
Geras, dessen Töne in der Weite des Kirchengewölbes verhallten.
Die
bestens eingespielte Gruppe mit Martin Lehky an der elektrischen
Bassgitarre und Ivan Audes am Schlagzeug wechselte von besinnlicher
Klangmalerei zu auf den Punkt gebrachtem Unisonospiel mit vertrackten
Themen. Meist gingen die Stücke - allesamt Eigenkompositionen
Milan Svobodas - nahtlos ineinander über, ohne das übliche
Applausritual. Schnell wechselten die musikalischen Stimmungen. Rockige
Rhythmen gingen in swingende Passagen über.
Svobodas
virtuos gestaltetes Tastenhandwerk mit perlenden Tonkaskaden und
treibender Dynamik verlieh den Stücken die Aura zeitgenössischer
Improvisationskunst, deren Handwerk die Jazzer aus Prag bestens beherrschen.
Kurze Soloausflüge des Bassisten Martin Lehky mit grummelnden Läufen
bildeten kleine Ruhepunkte im nervösen Gruppensound.
Stilistisch
bewegte sich das Prager Quartett innerhalb zeitgenössischer
amerikanischer und europäischer Spielarten. Nicht zu überhören
waren die Einflüsse des "Electric Jazz", wie ihn Miles Davis
und seine Mitstreiter Ende der sechziger beziehungsweise Anfang der siebziger
Jahre entwickelt hatten.
Mit
spannenden Ostinati und geheimnisvoll anmutenden Sounds aus dem
Klangcomputer, den stechenden Trompetenphrasen und rockigen Grooves,
erinnerte das Milan-Svoboda-Quartett an diese musikalische Aufbruchstimmung
vergangener Tage. Knackige Fender-Rhodes-Sounds mit quirligen Läufen
und dynamisch gesetzten Akkordgriffen zollten jener Musik Tribut.
Chick
Coreas vor allem, doch ein wesentlicher Mitgestalter des fusionsorientierten
Jazz-Rock, hatte es dem Tastenkünstler Svoboda angetan. In Kompositionsart
und Phrasierung steht er dem amerikanischen Meister fast in nichts
nach. Souverän und austariert in Tongestaltung und Timing gab
Svoboda den Stücken eine gewisse Eleganz.
Gegen
Ende des Konzertabends durfte sich der Schlagzeuger Ivan Audes,
der sich stets dezent zurückgehalten hatte, noch einmal so
richtig mit einem Drumsolo austoben. Mit einer Zugabe bedankte sich
das Quartett beim Publikum, welches andächtig und geduldig auf den
ungemütlichen Kirchenbänken ausgeharrt hatte.
Von unserem Mitarbeiter: Gerhard Schmidt